Köln: Wenn man beim Abholen eines Paketes ins Plaudern kommt

Ehrenfeld
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Die Zeiten sind längst vorbei, in denen man sein Paket nur bei der Post abholen konnte, wenn der Zusteller einem nicht zu Hause antraf. Das hat viele Vorteile – beispielsweise deutlich längere Öffnungszeiten der Kooperationspartner. Außerdem kommt man so in Läden, in die man normalerweise eher nicht müsste. In den vergangenen Monaten war ich wegen einer Hermeslieferung in einem Handyladen, wegen eines UPS Päckchens im Blumenladen und nun wegen einer DPD Sendung in einem Fax-Internet-Telefonshop. Der Laden war ziemlich nüchtern eingerichtet, wenige Möbel, alte Geräte, dazu ein muffiger Geruch. Trotzdem kamen ständig Menschen herein: Ein jüngerer Mann wollte an den Computer, ein älterer zwei Seiten faxen – und ich mein Paket abholen.

Der Ladenbesitzer hatte einen Berg von etwa 20 großen oder kleineren Päckchen und Paketen hinter einem Regal und bat mich, ihm zu helfen, meines zu finden. Nachdem wir es identifiziert hatten, sagte ich:“Vorsicht, könnte schwer sein!“ Der Mann zog beim Hochheben eine seiner schwarzen Augenbrauen nach oben. „Wissen Sie“, sagte er mit Akzent, „wenn meine Mutter dachte, ein Paket sei schwer, sagte mein Vater immer:’Nicht so schwer wie du!‘.“ Ich lachte.

Da ich wusste, dass mir das Paket trotzdem zu schwer zum Tragen sein würde, hatte ich mein Einkaufswägelchen dabei. Dumm war nur, dass das Paket zu groß war. Es passte also nicht in das Wägelchen. Darum bat ich um eine Schere, um es zu öffnen und auszupacken. Der Ladeninhaber schaute neugierig und fragte dann etwas verwundert:“Sie haben Bier bestellt?“ – Ja, erklärte ich ihm. Ganz spezielles Bier aus Bayern. Das hatte ich dort nämlich bei einer Bierverkostung probiert. Und da ich mit meinen Mädels einen Hallertau-Abend machen wollte, brauchte ich also dieses Bier: Das Weltenburger Kloster Barock dunkel ist zum weltbesten dunklen Bier gewählt worden, das Marie’s Rendezvous von Schneider Weiße eine Limited Edition. Ich trinke eigentlich kein Bier, aber diese Biere fand ich so interessant, dass ich im Internet lange danach gesucht habe.

Fachsimpelei über Biere

Dunkles Bier aus der Hallertau
Dunkles Bier aus der Hallertau

„Darf ich?“, fragte der Ladenbesitzer und schaute sich eine Flasche an. „Hab‘ ich noch nie gesehen. Hat das der Getränkehändler vorne auf der Ecke nicht? Der hat viel! Ist ein junger, netter Kerl, der kennt sich aus, der bestellt auch!“. „Da habe ich ehrlich gesagt nicht geschaut“, sagte ich. Denn bestellen kann ich auch selbst im Internet. „Aber das Bier war schon im online nicht leicht zu bekommen. Das hat nicht jeder“, sagte ich.

„Wo kommt das her?“, fragte er. „Aus Bayern, aus der Hallertau„, sagte ich. „Ist das bei Stuttgart?“ – mein baden-württembergisches Herz wimmerte kurz auf. „Nein, eher in der Nähe von München. Trinken Sie Bier?“, fragte ich vorsichtig, weil er vom Äußeren durchaus Moslem sein konnte. „Ja“, antwortete er zögerlich. „Manchmal trinke ich schon Bier. Als ich noch im Süden gewohnt habe, hatte ich eines mit so einem Ding dran zum Zumachen.“ „Oh“, sagte ich, eine Bügelflasche, „schön!“ – „So ein Bier habe ich hier in Köln nie mehr getrunken. Das war schon besonders!“.

Nun mischte sich der Herr ein, der faxen wollte:“Was reden wir denn immer über dieses Bier?“, sagte er. „Lassen Sie es uns doch aufmachen und probieren!“ – „Auf keinen Fall“, rufe ich entsetzt. „Nein“, sagt der Ladenbesitzer bestimmt. Das braucht sie doch für ihr Fest mit den Freunden!“ – „Ach so“, sagt der Mann. „Macht nichts, ich trinke eigentlich sowieso nur Gaffel Kölsch!“

Ich bin endlich mit dem Umpacken fertig und verabschiede mich: Tschö und vielen Dank! „Neinnein“, ruft mir der Ladenbesitzer nach, „ich habe zu danken! Das war ja so ein nettes Gespräch! Machen Sie’s gut, viel Spaß bei der Party! Tschö – ö!“

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