Gespräch mit einer Serviererin auf einem Kreuzfahrtschiff

Rettungsring
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„Nach diesem Trip fahren wir weiter auf der Baltikum-Route bis Sankt Petersburg. Dann fahren wir an Norwegens Küste entlang und weiter über den Atlantik nach Boston, nach New York und schließlich nach Florida. Nach Hause komme ich das nächste Mal Mitte Januar. Dann war ich sechs Monate an Bord, und habe im Anschluss sechs Wochen frei. An manchen Tagen arbeite ich von 9 bis 23 Uhr, ja, das ist lang. Aber andere Menschen fahren jeden Tag eine Stunde zur Arbeit, das ist verlorene Zeit.

Natürlich ist es schwierig, eine Familie zu gründen, wenn man nie zuhause ist. Ich habe Freundinnen, die haben fünf Kinder, aber das will ich gar nicht. Das ist nicht mein Leben. Ich will nicht für 500 Euro im Monat arbeiten, und davon eine Rate für ein Haus abbezahlen, und am Ende bleibt nichts zum Leben übrig. Ich sage zu meiner Mutter immer, sie soll das scheiß Haus verkaufen, ich fühle mich dort nicht wohl und werde dort nie wohnen. Wir haben uns Geld von einem Onkel geliehen, um es kaufen zu können. Und jetzt zahlen wir die Raten, jeden Monat, ein ganzes Leben lang. Und wenn wir es verkaufen sollten, ist es nur noch ein Drittel wert. So ist das in meinem Land. So will ich nicht leben. Da arbeite ich lieber 20 Jahre auf dem Boot, arbeite hart, verdiene viel, lege das Geld zur Seite. Und wenn ich irgendwann etwas kaufen will, bezahle ich in Cash.

Ich zahle hier keine Miete, ich brauche keine Küche mit dem ganzen Zubehör, ich muss nicht kochen oder in den Supermarkt gehen. Ich kann so viel effizienter Geld verdienen, und ich sehe auch noch die ganze Welt dabei. Wenn ich Urlaub habe und zuhause bin, dann gehe ich gar nicht mehr ins Stadtzentrum. Was soll ich da? Ich kenne es schon. Und es gibt viele Plätze auf der Welt, die interessanter sind als mein Heimatort.“

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