Fliegen aus der Not heraus

Im Flugzeug zur Halbinsel Osa in Costa Rica
Im Flugzeug zur Halbinsel Osa in Costa Rica

Flugzeug oder Boot? Das ist für mich wie Pest oder Cholera. Nicht, weil ich fürchterliche Angst hätte, abzustürzen, sondern weil ich an Motion Sickness leide. Ich bevorzuge den englischen Begriff für Reisekrankheit, weil er genau das beschreibt, was passiert: Ich bewege mich in einem Transportmittel, das nicht ganz ruhig unterwegs ist – und mir wird übel.

Ich erinnere mich mit Schrecken daran, wie wir 2007 in den Ausläufern von Kyrill aus Kuba kommend nach Frankfurt zurückflogen und ewig über dem Flughafen Kreise ziehen mussten. Es war grauenhaft und den Rest will ich Euch ersparen. Trotzdem steige ich immer wieder in einen Flieger und setze mich auch in ein Boot. Denn ich weiß, dass ich keine andere Möglichkeit habe, um weit wegzukommen und in ferne Kulturen einzutauchen. Aber ein solches Wohlgefühl beim Fliegen, wie die Reisebloggerin Gudrun es beschreibt, werde ich nie haben. Es ist mir im Gegenteil völlig unbekannt. Gudrun hat in einer Blogparade dazu aufgerufen, zu erzählen, was man beim Fliegen schon so alles erlebt hat. Sie fragt beispielsweise, was der schönste Flug war. Eindeutig ein Flug von Stuttgart nach Atlanta und zurück in der ersten Klasse. Zwar finde ich diesen ganzen Firlefanz mit weißem Tischdeckchen und mehrgängigem Menü sowie Weinauswahl und Pipapo völlig unnötig. Wenn ich das möchte, gehe ich in ein gutes Restaurant. Aber was ich wirklich toll fand, war der Platz, und die Möglichkeit, mich hinzulegen. Das ist bei Motion Sickness nämlich zumindest für mich sehr hilfreich. Nun kann ich mir ganz ehrlich gesagt Flüge in der ersten Klasse nicht leisten. In dem Fall war es Glück, dass eine Bekannte uns Friends and Family Tickets als Stand by Reisende besorgt hatte. Wir haben also nur einen Bruchteil des eigentlichen Reisepreises bezahlt. Hätte ich allerdings das Geld, mir einen solchen Flug immer leisten zu können – ich weiß nicht, ob es mir das wert wäre. Ich glaube nicht. Fliegen ist für mich nichts anderes als ein notwendiges Übel, um von A nach B zu kommen.

#holidays #urlaub #fliegen #überdenwolken #bubbleframe

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Auf dem Flug nach China

Gudrun fragt auch, ob man schon einmal etwas Cooles in der Luft erlebt hat. Zugegeben: Meine Flüge sind eher geprägt von verschwundenem Gepäck und Verspätungen. So konnten wir beispielsweise auf Madeira wegen des Windes nicht landen und mussten den ganzen Weg zurück nach Lissabon fliegen, wo wir eine Nacht blieben. Am nächsten Morgen war eine Frauen-Sportmannschaft mit an Bord, die bereits das vierte Mal in zwei Tagen versuchte, auf Madeira zu landen.

Mein Gepäck kam übrigens schon oft deutlich nach mir an. Auf dem Rückweg ist mir das egal. Aber als ich bei der Ankunft auf La Gomera nur mit einer Handtasche in den Parador eincheckte, schaute man mich schon sehr merkwürdig an. Die Blicke wurden nicht freundlicher, als ich nach zwei Tagen noch immer mit der gleichen Hose und dem gleichen Shirt zum Frühstück kam.

WLAN im Flieger. #Delta macht's möglich. Toll.

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Wifi im Flieger, 2013. Delta, von San Francisco nach Atlanta

In Pittsburgh beispielsweise fuhren wir lange über den Flughafen. Bis schließlich die Polizei einstieg und einen Mann herausholte, der betrunken war. Bevor der Flieger nach Indien startete, war es auch skurril: Wir standen stundenlang in Frankfurt und warteten auf den Abflug. Aber man hatte uns das falsche Gepäck eingeladen. Und als wir endlich starten wollten, war das Kerosin fast verbraucht. Und dann kam auch noch ein Security-Mann und bat mich zum Ausgang. Ich dachte, ich sehe meinen Mann nie wieder. Doch ich musste nur meinen Rucksack identifizieren. Er war irgendwie aus dem ihn umhüllenden Packsack gerutscht. Merkwürdigerweise steckte dieser bei der Identifizierung ordentlich gefaltet unter den Haltebändern des Rucksacks. Ein Rätsel, das sich mir nie erklären wird.

In Indien selbst habe ich bei einem Inlandsflug leider erlebt, wie die Stewardessen etwas panisch nach einem Arzt fragten. Die alte Dame, die ein gesundheitliches Problem hatte, wurde auf einer Trage nach der Landung aus dem Flieger geholt und wir wurden gebeten, in die andere Richtung zu schauen. Amüsant war dagegen ein Flug mit Hongkong Airlines, bei dem wildfremde Menschen sich eine Decke teilen mussten. Beim Flug mit Air Berlin von Ibiza nach Mallorca habe ich mich sehr über einen Mann in der Reihe hinter mir geärgert, der die Pilotin völlig unnötig schlecht gemacht hat. Ich habe darum ein kurzes Interview mit der Pressestelle von Air Berlin zum Thema geführt.

Und ja, auch einen Heiratsantrag habe ich einmal erlebt – auf dem Weg nach Mallorca. Wo sonst sollte man so etwas Peinliches erleben? Ich liebe Mallorca, aber leider sind einige Touristen dort doch etwas eigen. Ich werde nie verstehen, warum man einen der intimsten Momente in einer Paarbeziehung mit hunderten fremden Menschen teilen möchte.

Gudrun fragt auch, ob ich schon einmal Heißluftballon geflogen bin. Nein, bin ich nicht, und werde ich auch nie. Ich habe allerdings gesehen, wie ein Heißluftballon über Ehrenfeld eine Notlandung machen musste. Vor Jahrzehnten saß ich aber immerhin in einem Segelflugzeug bei einer Recherche für die Badischen Neuesten Nachrichten. Und in Peru bin ich mit einem Miniflieger über die Nazca-Linien geflogen. Beides würde ich heute nicht mehr machen. In Costa Rica flog ich mit einer sehr kleinen Maschine nach Osa und in Tansania vom Festland nach Sansibar. Mein persönlicher Horror. Aber ich habe alle Flüge überlebt.

Natürlich werde ich auch in Zukunft weiterhin fliegen. Ich will ja was von der Welt sehen. Aber Spaß macht mir das nicht. Im Gegenteil.

P.S.: Der nächste Flug wird übrigens ein kurzer sein – nach Berlin geht’s, auf die ITB, falls germanwings nicht streikt. Wen von Euch werde ich dort treffen?

#planespotting #boston #massachusettes #usa

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One thought on “Fliegen aus der Not heraus

  1. Liebe Bettina, so ein toller und spannender Beitrag! Danke! Was Du schon alles erlebt hast….Wahnsinn! Und übrigens: Mich triffst DU auf der ITB! Alles Liebe, Gudrun

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