Die am wenigsten idyllische Stadt Chinas: Suzhou

Suzhou zwischen alt und neu
Suzhou zwischen alt und neu
„Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden Suzhou“, sagt ein Sprichwort. Und ja, wenn ich mir die knorrigen, schräggewachsenen Bäume ansehe, die einige Straßen den Stadt säumen, dann kann ich mir ungefähr vorstellen, wie hübsch es hier war – vor 30, 40 oder vielleicht 100 Jahren. Heute ist Suzouhs Schönheit gut versteckt. Sie geht unter in dem ohrenbetäubendem Lärm hupender Lastwagen, Busse, PKWs und Mofas, die sich mit quälender Langsamkeit durch die Stadt bewegen. Falls sie nicht stehen, weil alle Kreuzungen blockiert sind. Hinzu kommen die vielen Baustellen überall im Stadtzentrum, die den Verkehr zusätzlich behindern. Dort wird auch am Sonntag laut gebohrt, gehämmert, gefräst. Das Paradies klingt für mich anders.

Suzhou ist aber eigentlich berühmt für seine Gärten. Diese liegen jedoch relativ weit auseinander. Eine Streckenlänge von rund 3 Kilometern, die der National Geographic Shanghai als Fahrradroute vorschlägt, ist utopisch. Die eingezeichnete Strecke entspricht in keinster Weise der Realität. Ein Phänomen, das ich für China auch im Lonely Planet beobachte sowie auf allen Stadtplänen, die wir von den Hotels oder Touristenbüros bekommen: Die Entfernungen sind immer viel weiter.

Und darum schaffen wir bei unserem Tagesausflug von Shanghai nach Suzhou auch nur zwei der vielen Sehenswürdigkeiten: die Nordpagode und den Garten des demütigen Beamten. Die Nordpagode ist ein echter Ort der Ruhe. Den Aufstieg auf die Pagode kann man sich jedoch sparen, die Aussicht ist nicht besonders schön. Dafür ist der kleine Garten nett, und die Räume, in denen Heilige verehrt werden, auch. Dazwischen in den Innenhöfen brennen bündelweise Räucherstäbchen. Das ist das Asien, das Europäer im Urlaub suchen und schätzen.

Der Garten des demütigen Beamten ist auch ein Genuss: Lotusblätter füllen den Bach und den See, hier und da steht eine kleine Hütte mit geschwungenem Dach, Steinbrücken führen über das Wasser. Das ist schon schön, aber die Menge der Besucher macht es schwierig, den Garten zu genießen. Rund 3000 sind zeitgleich mit uns im Garten, sagt das Touristeninformationsschild, 9000 dürften gleichzeitig über die engen Wege gehen – und ich frage mich, wie das überhaupt funktionieren sollte. Es ist schon mit einem Drittel der zugelassenen Besucher zu voll. Von diesem Garten aus gelangt man in eine Straße mit einem kleinen Markt. Wir getrauen uns, an einem Stand grüne gefüllte Teigtaschen zu essen, die es hier in verschiedenen Varianten gibt. Mal ist der Teig dick, mal hauchdünn, mal mit Fleisch gefüllt, mal mit Gemüse oder Krabben. Die Füllung der grünen Teigtaschen kann ich nicht benennen. Sie ist braun, zähflüssig und süß.

Folgt man der Marktstraße und dem Spaziergang aus dem National Geographic in umgekehrter Richtung, kommt man automatisch ins Stadtzentrum. Und da ist es dann vorbei mit der Idylle. Man steht mitten im besagten Lärm, umgeben vom mörderischen Verkehr. Und man will nur noch eines: weg!

Cover: eBook China
Cover: eBook China
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