Das schönste Weihnachtsgeschenk von allen: eine Karte für die Lissabonner U-Bahn

Karten für die U-Bahn in Lissabon
Karten für die U-Bahn in Lissabon

Es ist nur eine kleine Geste drei Tage vor Heilig Abend, aber sie rührt mich ganz besonders. Und das gleich aus zwei Gründen. Aber der Reihe nach: Gerade in Lissabon gelandet, stehen wir am Fahrkartenautomaten für die Lissabonner U-Bahn. Wir drücken die britische Flagge, damit der Bildschirm von Portugiesisch auf Englisch umspringt, und genau in diesem Moment hören wir hinter uns jemanden „Hello!“ sagen. Etwas misstrauisch drehe ich mich um, hinter uns steht ein älteres Paar, sie reichen uns zwei grüne U-Bahn-Karten, fragen in gebrochenem Englisch, ob wir die vielleicht wollen. Sie seien noch gültig, zwei Fahrten seien noch drauf, sie brauchten sie nicht mehr, da sie den Flieger nehmen und verreisen. Ich frage, ob sie Geld für die Karten wollen, doch sie winken nur ab. Wir freuen uns, sagen „Vielen Dank!“, doch sie sind schon weiter gegangen.

Ganz abgesehen davon, dass das eine sehr nette Geste ist, kommt uns das Ganze wie ein Déjà-vu vor. Denn im Oktober gingen wir in Berlin von der U-Bahn zum Flugsteig, in der Hand noch zwei Tagestickets für die öffentlichen Verkehrsmittel, die noch über zwölf Stunden gültig waren, und mit denen man in einigen Museen der Stadt reduzierten Eintritt bekam. Wir fragten eine englischsprachige Familie, ob sie die Karten wollten. Es war nicht ganz einfach, ihnen den Sinn der Karten zu erklären, und auch nicht, dass sie sie als ein Geschenk betrachten sollten. Aber schließlich nahmen sie sie. Ob sie sie eingesetzt haben, das weiß ich nicht. Wir haben unsere Karten benutzt. Und ich habe sie begriffen im Sinne von „Tue Gutes, und es kommt zu dir zurück!“.

Ich war aber noch aus einem zweiten Grund recht erfreut darüber: Wir hatten nämlich in Köln drei Stunden im Flieger gesessen und auf den Start gewartet, da die Flugsicherheit in Deutschland und in Frankreich technische Probleme hatten. Nachdem wir endlich losgezogen waren, hatte der Bordservice keine Sandwiches mehr, da die anderen Passagiere schon alle vor dem Start gekauft hatten. Aber es gab noch Tapas: Chorizo, Oliven, zwei Scheibchen Machego, Cracker und Salami. Nachdem wir die Tapas gegessen hatten, stellten wir fest, dass die Packung bereits seit fünf Tagen abgelaufen war. Insofern war die gute Tat der Unbekannten auch der erste Lichtblick des Tages – und somit besonders wertvoll. In diesem Sinne: Ende gut, alles gut.

Kommentar verfassen