Auf den Spuren von Buchautoren

Hemingways Haus bei Chicago
Hemingways Haus bei Chicago

Als Literaturwissenschaftlerin liegt es nahe: Ich lese gerne. Ich liebe Bücher, die mich abtauchen lassen in eine andere Welt, die mir Geschichten erzählen darüber, wie es zu einer bestimmten Zeit war oder sein wird, wie andere Kulturen leben. Und als Journalistin weiß ich, wie schwierig es sein kann, einen Text zu schreiben, der andere in ihren Bann zieht. Darum habe ich größten Respekt vor den Autoren denen das gelingt, und auch darum habe ich eine Vorliebe in fremden Städten: Ich besuche gerne Autorenhäuser. Ich schaue mir an, wie sie gelebt haben, und ich liebe es, einen Blick in ihr Arbeitszimmer zu werfen: Wo haben sie geschrieben? Welchen Ausblick hatten sie von ihrem Schreibtisch? Ein bisschen verliebt bin ich in das Türmchen, in dem Ernest Hemingway auf Kuba gearbeitet hat. So etwas hätte ich auch gerne, doch in Köln dürfte es unbezahlbar sein. Meine Autorenhäuser-Tipps:

Hemingways Finca auf Kuba ist übrigens um einiges schöner als das Haus in der Nähe von Chicago, in Oak Park. Dort kann man übrigens auch das Haus des Architekten Frank Lloyd Wright besichtigen, und das wiederum ist interessant, weil T.C. Boyle über ihn ein Buch (affiliate Link) geschrieben hat.

Eher zufällig kam ich an einem Hotel vorbei, in dem Robert Louis Stevenson einige Monate lebte, der Autor der Schatzinsel (affiliate Link). Es steht in Kalifornien, in Monterey. Die Stadt ist nahe an San Francisco, aber deutlich kleiner und umgeben von einer bezaubernden Küstenlandschaft. Durch Monterey führt ein Geschichtspfad, der auch an besagtem Hotel vorbei kommt.

In den USA findet man auch das Haus, in dem Mark Twain geboren wurde, der Autor von Tom Sawyer. Es steht allerdings sehr versteckt in einem Ort namens Florida in Missouri. Dort ist ein modernes Gebäude, in dem das Geburtshaus aufgebaut wurde, um geschützt zu werden. Und dort findet man auch eine Menge Tom Sawyer Bücher (affiliate Link) in vielen unterschiedlichen Sprachen.

Charles Dickens, na klar, den kennt man auch aus Kindertagen: Er hat Oliver Twist (affiliate Link) und David Copperfield geschrieben. Und sein Wohnhaus kann man in London besichtigen. Das lohnt sich nicht nur, weil es eine Reise durch die Vergangenheit ist, sondern auch, weil im Erdgeschoss in einem kleinen Café toller Kuchen serviert wird.

Stratford upon Avon, nordwestlich von London und südlich von Birmingham, ist für alle Shakespeare-Fans Pflicht. Allerdings ist genau darum der kleine Ort am Rande der Cotswolds auch so überlaufen. Wir haben zwar ganz locker einen Parkplatz bekommen, doch man schiebt sich mit Touristenmassen durch die Fußgängerzone und von einem Shakespeare-Haus zum nächsten. Da wir etwas Zeitdruck hatten, standen wir nicht an, um die Häuser und das Grab zu besichtigen. Es gibt Besucherpässe mit verschiedenen Berechtigungen und zu unterschiedlichen Preisen.

Autorenhäuser und -gräber in Deutschland

In Deutschland kann man beispielsweise in Radebeul bei Dresden das Karl May Museum besuchen. Der Autor der Winnetou-Bücher (affiliate Link) lebte in einem hübschen Haus und hatte ein Schreibzimmer, das orientalisch anmutete. Im Museum muss man leider dafür bezahlen, Fotos zu machen.

Gar nicht so weit weg ist in Dresden das Erich-Kästner-Museum. Dort gibt es als Stationen mehrere Türme mit vielen Schubladen, in denen man Erinnerungen an den Autor von Emil und die Detektive und viele andere Bücher findet. Das ist zwar ein eher ungewöhnlicher Museumsansatz, hat mich aber immerhin so beeindruckt, dass ich mir die Erich-Kästner-Gesamtausgabe für Kinder (affiliate Link) bestellt habe.

Im nordrhein-westfälischen Gevelinghausen kann man sich in einem Gebäude weiterbilden, in dem die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff einige Zeit wohnte. Das Gebäude gehört zum Sportschotel Schloss Gevelinghausen, und ganz oben gibt es auch einige Gästezimmer. Und in Fallersleben bei Wolfsburg steht das Hoffmann von Fallersleben Museum: Der Dichter hat den Text zur deutschen Nationalhymne geschrieben.

Jean Paul hat in Bayreuth gleich zwei Museen: Das Jean Paul Museum in der Innenstadt neben dem Richard Wagner Museum. Und in der Rollwenzelei die Jean Paul Stube, in der der Autor schrieb und lebte. Dort sollte man sich anmelden, des es handelt sich um ein Privatmuseum. Uns hat eine ganz reizende Dame eine kurze Führung durch Jean Pauls Leben und Schaffen gegeben.

Nicht wirklich ein Haus, sondern nur ein Grab: Bertold Brecht liegt in Berlin auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte begraben, in direkter Nähe zu dem Haus, in dem er wohnte. An diesem Punkt stößt übrigens meine Vorliebe für Autorenhäuser mit der für Friedhöfe zusammen. Und darum möchte ich hier auch noch Heinz G. Konsalik erwähnen, der auf dem Melatenfriedhof in Köln liegt. Seine Bücher habe ich nie gelesen, aber der Wohnzimmerschrank meiner Eltern ist voll ihnen. An seinem Grab war ich allerdings schon mehrmals, denn ich mag Melaten. Friedhöfe sind auf Reisen übrigens sehr oft einen Besuch wert, denn die Kultur des Todes ist in jedem Land ganz anders.

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